Ich erinnere mich noch gut an meine frühe Kindheit, was alles ich tun sollte, „damit einmal etwas aus mir wird“. Dabei wurde ignoriert, dass ich doch schon von Beginn meines Lebens an vollkommen bin und dass meine Anlagen in meinem Tun nur ihren Ausdruck finden.
Wenn mir das Geschenk zuteil wird, wohlbehütet aufzuwachsen, kann sich mein Selbst in den ersten sieben Lebensjahren gesund entwickeln. Dabei werde ich mit den Herausforderungen im siebenstöckigen Turm des Lebens konfrontiert und lerne die Struktur meines Selbst, bestehend aus Basisselbst, Bewusstes Selbst und Höheres Selbst kennen.
1. Etage ( Wurzel-Chakra )
Mit jedem Lebensjahr gelange ich in eine weitere Etage im Turm des Lebens. Im 1. Lebensjahr – 1. Etage – kümmere ich mich ausschließlich um mein bloßes Überleben, sorge für mich. Aufgrund meiner Hilflosigkeit bin ich ungeschützt und offen für Ängste und Gefühle des Gelähmtseins, durch alles, was mein Urvertrauen verletzt. Hierdurch können emotionale Blockaden angelegt werden, die später den Fluss meiner Lebensenergie hemmen und zum Entgleisen meiner Emotionen führen können. So kann Kummer zur Verzweifelung, Besorgnis zur Besessenheit und Schmerzen zur Qual werden.
2. Etage ( Sakral-Chakra )
In der Aufgabenstellung des 2. Chakras geht es u. a. darum zu lernen, die Lebensenergie in ihrer Ganzheit zu feiern.
Im zweiten Lebensjahr beginne ich, meine Kreativität und meinen Körper zu entdecken.
Emotional neige ich zu Kummer und Schwäche, werde mir über meine Lebensenergie und die Bedeutung von zwischenmenschlichen Beziehungen bewusst.
In dieser Zeit ist jede tiefe Verletzung meines Vertrauens geeignet, in meinem späteren Leben Bereitschaft und Zutrauen für das Eingehen von fruchtbaren Beziehungen zu lähmen.
Während es in meinem ersten Lebensjahr darum ging, Ängste zu überwinden, lerne ich jetzt, mich frei auszudrücken und einfach zu sein, wie ich bin.
Wenn die äußeren Bedingungen es mir nicht erlauben, mich in meinem 2. Chakra gesund zu entfalten, bin ich später in meiner intimen Entfaltung gehemmt. Die wichtigste Aufgabe wird es dann sein, die Fesseln der Scham zu zerreißen.
3. Etage ( Solarplexus )
Im dritten Lebensjahr werde ich mir meiner persönlichen Macht bewusst. Ich beginne zunehmend Wut und Zorn auszudrücken. Meine wichtigste Aufgabe ist es jetzt, Disziplin, Engagement und Willensstärke zu entwickeln. Wird mein Entfaltungsdrang gebrochen, kann sich mein 3. Chakra nicht gesund entfalten. Vielleicht habe ich dann später keine persönliche Macht über die Impulse meines 1. und 2. Chakras (Basisselbst).
Ich bin dann nicht in der Lage, mich den Herausforderungen des 3. Chakras zu stellen, wie z.B. Entwicklung des Selbstbewusstseins, Visionen, Pflichtbewusstsein, Integrität, Verantwortungsgefühl, Konzentration, Engagement & Willenskraft.
Die Schattenseiten des 3. Chakras wie Machtmissbrauch, Eifersucht, Neid, Gier, Ängste, Sex ohne Herz.....kommen dann häufig stärker zum Ausdruck.
Der Ausdruck von Liebe wird in den oberen Stockwerken des Lebensturmes zunehmend kultiviert.
So stellt sich die Reise durch die Aufgaben des 3. Chakras oft wie ein Schlachtfeld dar. Besonders hier treffen bewusste und noch unbewusste Anteile aufeinander. Dabei müssen wir ständig den Abgrund zwischen den gesellschaftlichen Erwartungen und den Vorgaben unseres Herzens überbrücken.
4. Etage ( Herz-Chakra )
Mit dem Sprung ins 4. Chakra lerne ich, die Qualitäten des Herzens zu entfalten, nämlich Innere Harmonie, Mitgefühl, Heilung und bedingungslose Liebe. Erst damit führe ich meine Bewusstheit aus der reinen Selbstbezogenheit – 3. Chakra – heraus und die Liebe kann nach außen fließen.
Solange mein Bewusstsein noch nicht im Herzen ruht, sind alle Motive letztlich noch egoistisch-selbstbezogen und ich diene nur mir selbst.
Mein Ich kann sich völlig auflösen, wenn ich im 7. Stockwerk angekommen bin und alle Aufgabe im Turm des Lebens gemeistert habe.
Den entscheidenden Sprung ins 4. Chakra kann ich nur schaffen, wenn mein Ich (Ego) seinen Griff lockert. Nur über das vom Herzen getragene Bewusstsein vermag ich meine Schattenanteile aus den unteren Stockwerken (1. – 3. Chakra) zu überwinden.
5. - 7. Etage (Hals-Chakra, Drittes Auge, Kronen-Chakra)
Meinem höheren Selbst (5.- 7. Chakra) werde ich begegnen, wenn es mir gelingt, mein Bewusstsein aus dem Meer der persönlichen Sorgen und Belange zu erheben und in mein Herz zu senken. In meinem Herz und darüber ist alles, was ich brauche. Die Spiritualität wir nicht irgendwo gelebt, sondern in der vollen Aufmerksamkeit und Anwesenheit im Hier und Jetzt.
Weiterentwickeln kann ich mich nur, wenn ich mich auf das konzentriere und akzeptiere, was jetzt im Augenblick vor mir liegt. Das Streben nach anderen Orten und Erfahrungen lenkt mich von den anstehenden Lebensaufgaben ab und bringt mich nicht wirklich weiter. Durch die Suche nach spirituellen Erfahrungen können die Lebensprobleme und Blockaden, die mich zur Suche getrieben haben, noch auswegloser werden.
Eben zwischen dem 3. und 4. Chakra befindet sich das Nadelöhr auf meinem Weg zum Selbst. Hier findet eine Motivveränderung statt, das Glück nicht mehr zu suchen, sondern Glück zu schaffen. Das heißt, ich diene nicht mehr aus Eigennutz, Schuldgefühlen oder Verantwortungsbewusstsein, sondern ganz frei aus der Liebe meines Herzens.
Bis ich dort angekommen bin, halte ich mich am besten daran, solange aus Pflichtgefühl zu dienen, bis ich im Herzen angekommen bin.
Wenn ich in diesem Gefühl angekommen bin, brauche ich keinem Weg mehr folgen. Dann bin ich selbst der Weg geworden.
Selbstanklage und – verurteilung lässt mich in den Aufgaben des 1. und 2. Chakras und in der Pflege meiner alten Muster verharren. Ich befinde mich nicht auf diesem wunderschönen Planeten, um irgendwo hineinzupassen, sondern um andere Menschen zu führen, zu lehren, zu heilen und sie an ihre Bestimmung zu erinnern.
Dabei liegt meine Lebensschule im Hier und Jetzt, gleich neben mir. Natürlich kann ich die Erleuchtung auch in den Höhlen von Tibet oder Nepal suchen. Doch bevor ich nicht die dunklen Höhlen und Schattenplätze in meinem Innern erforsche, werde ich überall nur mein eigenes Spiegelbild finden. Die Worte der Meister bleiben dann nur Narrheiten, weil nur Narren ihnen zuhören.
Bis sich mein Samen entfalten kann, versuche ich bewusst zu leben, beschäftige ich mich mit der Bewusstwerdung in den unteren Chakren (Basisselbst), arbeite an meiner Gesundheit und meinen Ängsten und erlange die Meisterschaft über mich selbst, damit ich irgendwann über mich selbst hinaus wachsen darf.
Wenn ich bereit geworden bin, werden
1. meine Lehrer überall in der Welt von selbst auftauchen;
2. werde ich erkennen, dass alle Fülle des Lebens in meinem Innern liegt, so nah, wie mein
Herz;
3. werde ich akzeptieren, dass ich keine Kontrolle über dieses Leben habe und auch keine
Möglichkeit, die Wogen aufzuhalten, die über mich hineinbrechen;
4. werde ich lernen, wie ein Surfer auf den Wellen des Lebens zu reiten, anzunehmen, was
mir begegnet und daran zu wachsen;
5. werde ich in der Erkenntnis leben, jeden Augenblick meines Lebens intensiv zu leben, bis
zu meinem Tod.
Jenseits der Grenzen der persönlichen Identität und losgelöst von allen Anhaftungen des psychischen Körpers werde ich mich irgendwann als Begegnung zwischen Geist und Materie begreifen. Die äußere Welt liefert mir nur die Symbole für das, was ich suche. Die heilige Reise findet letztlich in meinem Innern statt. Das, was ich suche, kann ich in der Welt erst finden, wenn ich es in mir selbst entdeckt habe.
Dort angekommen, werde ich meine Meister auch sehen.
Wilhelm Placke